Der Brohler Kulturverein hatte wieder einmal zum Mundartabend geladen. Die Kombination aus Vorträgen und dem schon traditionell servierten Döppekooche lockte wieder zahlreiche Gäste in das komplett besetzte Bürgerhaus.Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Helmut Rosenbaum das epter an Doris Ohm, die Organisatorin der Veranstaltung über, die locker durch den Abend moderierte.
Franz Josef Döpken stimmte mit einer vierminütigen Fernsehdokumentation, die 1963 am und über den Brohler Hafen gedreht wurde, in die Veranstaltung ein. Damals suchten über 70 Schiffe für mehrere Tage im Brohler Hafen Schutz vor dem Treibeis auf dem Rhein. Die Brohler Apotheke machte seinerzeit ein hervorragendes Geschäft, die Erkältungsmedikamente waren ausgegangen wie Frau Clemens die damalige Apothekerin anmerken konnte. Eisbrecher(in) bei den Reden war dann die Organisatorin selber. Sie versteht es immer wieder, mit privaten Urlaubsbilder einen amüsanten und witzigen Vortrag zu halten. In diesem Jahr waren wir so gemeinsam in Kenia. Aussagen über die durchgeführte Safari wie: „Das ist umgekehrt zu einem Zoobesuch. Hier sind die Tiere in Freiheit und wir im Käfig auf dem Jeep“ zeigen dass es sich bei Doris Ohm um eine erprobte Büttenrednerin handelt. Beeindruckend aber auch die Fotos, die so nur einer guten Fotografin gelingen können.
Angesagt wurde dann Achim Schmitz. Aus seinem scheinbar unerschöpflichen Fundus hatte er wieder hochinteressantes und weitgehend unbekanntes Material mitgebracht. Unter der Überschrift „Die Amerikaner 1919 in Brohl“ gab es seltene Fotos und übersetzte Geschichten aus einer amerikanischen Quelle. Ein Tagebuch eines Soldaten, wurde zu einem Buch aufgelegt, welches
Brohl aus einer anderen Sicht zeigte. Man muss sich dazu vorstellen, dass in einem 1700 Seelendorf 1800 Amerikaner Quartier machten, die versuchten die Ordnung nach dem 1. WK aufrecht zu erhalten. Die Leute und auch ca. 800 Pferde mussten versorgt werden. Details aus der Überlieferung amüsierten. So konnte man entnehmen, dass die Amerikaner das Dorf als sauber empfunden haben und zwecks Erhaltung dafür sorgten das 1x wöchentlich die Straßen gekehrt wurden. Das hält in dieser Form dann bis heute meist an Samstagen an. Hermann Josef Diekmann konnte den Vortag ergänzen und erzählen, wie sein Vater die Fahne der
Amerikaner erobert hat, die damals noch über 48 Sterne verfügte. Ebenfalls spontan redete Prof. Dr. Sander, der einer Einladung von Doris Ohm gefolgt war. Als Norddeutscher lebt er seit einigen Jahren im Rheinland und interessiert sich für Dialekte. Da lag es auf der Hand, dass er uns eine pointierte Geschichte in Klön-Snak über den „Jamaikaner Küstenfisch“ vortrug. Im Kern handelte es sich um Rum, der in Kisten von Schiffen geworfen wurde, die die Einheimischen dann wie Fische aus dem Meer angelten. Dann wurde das Brohler Urgestein Hans Mannheim mit Spannung erwartet. Ihm gelingt es immer wieder mit Brohler Geschichten aus alter Zeit die Zuhörer zu fesseln. Sein Vortrag, ohne „Mikroskop“ (Mikrofon) vorgetragen hatte zum Thema „Die Kinder aus der Dreckjass“. Bei dieser handelte es sich keinesfalls um eine dreckige Straße, sondern war die Straße, durch den die Wagentrecks der Trassmüller zum Hafen fuhren. Mir Dreckjass Kenne sen ob de Stroß erzooge worde. Wenn me net pariert han, jof et e paar öm die Ure ode en Trett en de Arsch. Mir han dat dan späde och so jemad. Im Anschluss gab es wieder Moseldialekt von Erich Melcher zu hören. Wenn er tief zum Ürziger Platt gegriffen hat, war das schon sehr schwer zu verstehen. Da war es hilfreich, dass der Vortrag „Traubenlese in Ürzig“ mit den dazu passenden Bildern unterlegt war. Auf diese Weise konnte man, der teils in Reimform, gehaltenen Rede dann doch gut folgen. Beeindruckend die mitgebrachten Fotos aus neuerer Zeit über die in Bau befindliche Hochmoselbrücke. Diese sitzt mit Pfeiler eins, genau auf einer Weinbergparzelle aus Melchers früherem Weinberg. Die Geschichte, das er mit 60 weiteren Ingeneuren auf dem höchsten Pfeiler gestanden hat und mit seinem Tenorhorn „Oh Mosella“ trompetet hat, ist ein beeindruckendes und sicher erhabenes Erlebnis, wenn man die Fotos
gesehen hat. Im Anschluss war mit Stefan Vogt wieder ein bewährter und beliebter Interpret zu hören. Für den Schreiber ist es aber am schwierigsten die Klasse des Vortrags auf Papier zu bringen. Ihn muss man gehört haben. Er ließ sich auf der letzten Veranstaltung des Kulturvereins, dem Filmabend, durch die Fahne des Sponsors Brohler Mineralbrunnen, für sein heutiges Thema inspirieren. Fand er doch im Logo der Brohler Firma die zwei Pfeile aus dem Brohler Wappen und er bemerkte als Wehrer Bürger, dass auch im Wehrer Wappen zwei Pfeile enthalten sind. Das Thema des neuen Vortrags war geboren. Wir hörten etwas über die Pfeile im Brohler Wappen und über die Herkunft der Wehrer Pfeile, vom Wehrer Schutzheiligen Sankt Potentinus abgeleitet. Dieser fand den Tot durch Pfeile und die sind so ins Wehrer Wappen gerückt worden. Natürlich lässt der Name Potentius und deren richtige oder falsche Betonung auch Platz für zweideutige Geschichten. Zum Schluss kamen zwei Debütanten beim Mundartabend zu Wort. Zunächst Rolf Nonn, wenn der Schreiber dieses Artikels einmal von sich in der dritten Person sprechen darf. Doris Ohm hatte entschieden: „Deine Beitrag kütt ziemlich no henne, vieleich es dann käne mi do“.
Der Vortrag behandelt die Daten aus der Einwohnerzählung aus dem Jahr 1861, durch den damaligen Ortsvorsteher Reuter durchgeführt. Jedes Haus mit den dazugehörigen Bewohnern wurde aufgeführt. Alter, Familienstand, Beruf, Religion. Diese Daten vermitteln erstaunliches Wissen über die Brohler Bürger in der damaligen Zeit. Danach wohnten 936 Einwohner in 220 Familien und 139 Häusern. Die Alterstruktur zeigt über 36 % Kinder bis 14 Jahre. Fast alle waren katholischen Glaubens. Die Berufsbezeichnungen zeigen eine starke handwerkliche Ausprägung (68) und erstaunlich wenig Ackerer (12 Landwirte). Eisenbahner (14) und Schiffer (18) prägen ebenso das Ortsbild wie 48 Tagelöhner. Die damaligen Familiennamen wurden vorgestellt, mit über 200 Nonn und Netz, was mehr als einem Fünftel der damaligen Bevölkerung entspricht. Die Aussage „Aus Nonn und Netz ist Brohl zusammen gesetzt“ wurde wahrscheinlich in jener Zeit geboren. Den Abschluss bildete der lockere Vortrag von Eugen Laux, der eine Laudatio auf den vor 10 Jahren verstorbenen „Kanone Jupp“ hielt. Als enger Freund vom Brohler Original Josef Schäfer war er die geeignete Person, die zahlreiche Anekdoten über die „Brohler Böllerbuben“ und den „Kanone Jupp“ zum Besten zu geben. Dabei brachte er uns auch die Person Josef Schäfer noch einmal näher, die nicht nur oberflächlich, als der Böllerer von Brohl, betrachtet werden darf, für die er auch wegen seiner direkten und offenen Art vielleicht gelten mag. Vielmehr zeigte er uns auch das Bild eines feinsinnigen Menschen der Wilhem Busch bei jeder passenden Gelegenheit zitieren konnte. Mit diesem Streifzug durch die wiederum sehr interessante Mischung von Beiträgen sollte belegt
sein, dass es dem Kulturverein wieder gelungen ist eine kurzweilige und amüsante Veranstaltung zu rganisieren, die immer mehr Stammpublikum findet
IX Mundartabend
IX. Mundartabend in Brohl